Samstag, 25. Januar 2014

Katharina, das Grosi

[oder die andere nie gehaltene Trauerrede]

"Liebi Truurgäscht,
dass Ihr do sind, freut mi sehr. I werde mi churz fasse.

S'Grosi isch für mi s'beschte Grosi gsi won'i mir han chönne wünsche. Si isch stolz gsi uf ihri Enkelchind und hett üs da au loh wüsse. Halb im Spass, halb im Ernscht han i ihre mol gseit, dass jede die Enkelchind hett, won'er verdient. Do hemmer beide glachet, luut glachet.
Wie aber mir s'Grosi verdient hend, weiss i nöd.

Liebe Truurgäscht,
s'Grosi isch nümme do. Aber jede vo Eu hett Erinnerige a s'Grosi: glückliche Erinnerige, truurigi Erinnerige. I dene Erinnerige lebt en Teil vom Grosi wiiter.

Grosi, i werd Di nöd vergesse."

PS: Ereignisse, wie ein Todesfall wecken Emotionen. Und diese kehren von Zeit zu Zeit wieder zurück. Diese Trauerrede entstand während einer schlaflosen Nacht mit eben solchen Emotionen.

Sonntag, 19. Januar 2014

Deckelbauweise

Quelle
Grosses geschah, geschieht und wird noch geschehen, um die Kapazität des Bahnhofs Zürichs zu erhöhen: Die Durchmesserlinie Altstetten–Zürich HB–Oerlikon. Die genaue Bezeichnung deutet darauf hin, es gibt noch eine andere Durchmesserlinie, welche gebaut wird: Die Durchmesserlinie Appenzell–St. Gallen–Trogen. Doch dies ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden. Zurück nach Zürich.
Eine kurze Orientierungshilfe: Der Bahnhof Zürich kann mit all den Aus- und Anbauten fast schon als Sammlung mehrere Bahnhöfe betrachtet werden: Gleishalle (Gleise 3-18), Bahnhof SZU (Gleise 21-22), Bahnhof Museumstrasse (Gleise 41-44), Bahnhof Sihlpost (Gleise 51-54) und neu Bahnhof Löwenstrasse (Gleise 31-34). Letzterer wird über kurz oder lang den Bahnhof Sihlpost ersetzen, der rückgebaut werden wird.
Gut versteckt findet sich im Bahnhof Zürich ein grosser Ausstellungsraum, welcher das Projekt vorstellt und die Bauarbeiten gut dokumentiert ("Der Eingang befindet sich in der Halle Sihlquai beim Abgang Gleis 18, Sektor C.").

Ein paar Fakten zu diesem Grossprojekt: Dauer 2005-2016, Budget CHF 2 Milliarden (2/3 Bund, 1/3 Kanton ZH), ca. 40 Subunternehmer. Die Anzahl der Arbeiter konnte ich nicht eruieren, trotz der intensiven Berichterstattung über den Streik wegen Lohndumpings.
Durch mein ständiges Durchfahren durch den Bahnhof Zürich (ausser im Bahnhof SZU war ich meist mindestens einmal in der Woche in allen anderen Bahnhofsteilen) konnte ich die Bauarbeiten im Bahnhof und im Vorbahnhof gut mitverfolgen. Es hat mich dann doch etwas überrascht, wie lange da bereits rumgewerkelt wird. Besonders herausragend waren aus meiner Sicht folgende Punkte in den vergangenen Jahren:
- die zwei Brücken im Vorbahnhof mit dieser tollen Installation, um die Brücke "schwebend" vorzutreiben,
- die grosse runde Bohrmaschine, welche ich zwar nur im Fernsehen gesehen habe, aber immer ein Gefühl vom grossen Gotthardbau hinerlassen hat und
- die Verbreiterung des Bahnhofs Oerlikon: Verschiebung der Stützmauer und des MFO Gebäudes, sowie das neue Gleis 8.
Das grosse Projekt ist gemäss eigenen Aussagen der SBB mehr oder weniger im Budget und im Zeitplan ist. Keine Ahnung, wie viel Reserve, Glück und anderes in der langen Zeit mitgespielt hat. Da kam natürlich unter uns Besuchern gleich wieder das SBB CEO Gehalt zur Sprache (nur für's Protokoll: im Jahr 2002 wären das brutto CHF 520k, im Jahr 2012 CHF 1'035k gewesen). Keine Ahnung wie der Projektleiter entschädigt wird.

Die Ausstellung hat mir sehr gut gefallen. Die Informationstafeln sind nicht langweilig (wenn auch nicht in italienisch, sondern "nur" in deutsch, englisch und französisch) und gut illustriert. Gute Modelle machen den Tunnelbau greifbar. Ein Highlight ist auch das riesige dreidimensionale Modell von Zürich (bzw. vom Gebiet, durch das die Durchmesserlinie führt). Und zum Schluss: die sechs Videos sind richtig gut gemacht, von ein paar wenigen Wiederholungen (man ist stolz) abgesehen.
Erstaunlich war für mich, wie wenig Besucher die Ausstellung an einem nicht mit bestem Wetter gesegneten Samstagnachmittag hatte. Das liegt vielleicht am bereits erwähnten fast versteckten Eingang, vielleicht aber auch an den Führungen, welche regelmässig stattfinden. Mir sind in den letzten ein, zwei Monate regelmässig kleine Herden mit Helm und orangen Westen bestückter Lebewesen aufgefallen, welche unter kundiger Führung die Baustellen besichtigten (ist leider nicht mehr möglich: "Alle Termine sind bis Februar 2014 ausgebucht. Es werden keine Führungen mehr durchgeführt. Danke für Ihr Verständnis."). Die werden wohl bereits durch die Ausstellung geführt worden sein.
Erst in der Ausstellung ist mir aufgefallen, wie viel Presse- und Informationsmaterial da - hoch professionell übrigens - aufbereitet worden ist. Diese sind übrigens auch online verfügbar. Etwas verwirrt hat mich dann doch, dass diese Plattform auch für Werbung für FABI verwendet wird. Ich hätte auf den politischen Bezug verzichtet.
Der neue Bahnhof Löwenstrasse wurde mit der Deckelbauweise realisiert. Ja, ein neues Wort für mich. Das bedeutet, dass von oben nach unten gebaut worden ist: zuerst der Deckel, dann Schlitzwände einziehen, aushöhlen und am Schluss den Boden betonieren (Holcim sei dank). Wieder was gelernt.


Freitag, 3. Januar 2014

Baum

Aus meinem Wohnzimmer zeigt sich ein grosser Baum ganz prächtig. Er steht einfach da, lässt sich von der Strasse nicht beeindrucken und bietet dem einen oder anderen vorbeikommendem Vogel einen Rastplatz. Er schafft es, dem emsigen Treibens der Kantonsstrasse zu trotzen, das ganze Jahr über.
Ich mag ihn.

Montag, 30. Dezember 2013

Curry

Ein Kochbuch aus London einer indischen Dame hat es mir angetan. Vielleicht auch das ständige Einreden der Londoner, dass Donnerstag einfach Curry-Tag ist (und nicht Döner's-Tag, wie mein deutscher Kollege das nennt). Na ja, bei mir ist der Donnerstag noch weit weg von einem Curry-Tag. Die guten Erfahrungen in den indischen Restaurants in London haben sicher auch geholfen (z.B. hier) auf den Geschmack zu kommen.
Unter Curry verstehe ich hier die Bezeichnung für eintopfartige Gerichte und nicht für die im Handel käuflich zu erwerbende Gewürzmischung. Genau, ich übe mich nun in der Zubereitung von verschiedenen Curries. Das Kochen ist viel einfacher als zuerst gedacht. Und noch viel toller, die Zubereitung ist für die unterschiedlichen Curries immer sehr ähnlich.

Glücklicherweise haben wir zuhause bereits einen interessanten Grundstock an (auch in Indien häufig verwendeten) Gewürzen. In den letzten Jahren ist auch deren Einkauf einfacher geworden. Die meisten sind ohne grosse Sucherei auch in der Umgebung oder in Zürich zu finden. Super spassig finde ich das eigene Zubereiten der Gewürzmischung. Das ist die Grundlage für den geschmacklichen Höhepunkt und ich stochere auch gerne im Mörser herum (mache ja sonst fast keine Rezepte, wo das Teil benötigt wird) bis es anstrengend wird. Viele Gewürze, die wir besonders oft in der Weihnachtszeit benutzen, wie z.B. Nelken oder Zimt, gehören im indischen Curry fast zum Grundstock. Fazit: Weihnachten findet das ganze Jahr über statt. Das Highlight beim Kochen ist das "brown the curry". Ich verstehe das im Englischen heute noch nicht wirklich, aber das ist der Moment, bei dem die Sauce eingekocht und richtig gut wird. Dabei gilt es, den richtigen Moment zu erwischen (in der Hoffnung, dass auch die brotartige Beilage (z.B. roti oder naan) den Ofen ohne schwarz zu werden übersteht).

Zum Lerneffekt: Wenn eine auch nur im entferntesten von Indien begeisterte Person meint, das Rezept sei nicht scharf, sodass der Geschmack des Fleisches (oder Fisches oder Gemüses) gut daneben selbst zur Geltung kommt,… einfach grosszügig überhören/überlesen und die scharfen Bestandteile, insbesondere Chilli im voraus nur sparsam hinzugeben. Schärfe wird auf der Scoville-Skala gemessen. (zur Info für die Schärfe von Messern gibt es auch eine Masseinheit: Rockwell). Ich habe glücklicherweise keine Ahnung, wo diese Gerichte rangieren, aber meiner Zunge und meinem Gaumen geht es noch gut.


Montag, 2. Dezember 2013

Ferien

Bevor ich mich für ein Hotel entscheide, schaue ich mir meist die Kommentare früherer Besucher an. Das ist einerseits informativ, anderseits sehr unterhaltsam. Bisher habe ich mich dieser Kommentierung verweigert. Mir kam das komisch vor, darüber zu schreiben, obwohl ich gerne von den Erfahrungen anderer profitiert habe. Ich mach jetzt ein Mal mit, damit auch andere Personen von meinen Erfahrungen profitieren oder sich zumindest erheitern können.

Was ich noch nicht gefunden habe, ist eine Übersicht über die Bewertungen von verschiedenen Portalen. Der Gedanke kam mir, da ich mir überlegte, ob ich die Bewertung - da sie schon mal geschrieben ist - nicht gleich auf verschiedenen Seiten veröffentlichen sollte. Auf einigen Portalen werden verschiedene Anreize (Wettbewerb, Punkte oder ähnliche Dinge) gesetzt. Die Bewertungen können sich somit überlappen oder auf einzelnen Portalen eine bessere oder schlechtere Qualität haben.  Da wäre noch eine Nutzenoptimierung möglich.

Interessant ist ja auch, dass nach dem Abgeben einer Bewertung fast immer die Frage kommt, ob man nicht noch etwas anderes bewerten mag, z.B. Restaurant, Ort. Da scheint eine rege Nachfrage zu bestehen.

Ausgewählte Klassiker (deutsch):
tripadvisor.com
holidaycheck.ch
zoover.ch
ebookers.ch
lastminute.ch



Die Buchung habe ich über ein Reisebüro vorgenommen. Alle Informationen sind im Hotel angekommen und waren entsprechend bekannt.
Die Rezeption ist durchgehend betreut und war des Spanischen und des Englischen immer mächtig (die deutsche Sprache half leider nicht weiter). Die Zimmer (ein Schlafzimmer, ein Raum für Wohnzimmer/Küche, ein Balkon und ein Bad) waren sauber und wurden täglich ausser sonntags gereinigt. Um eigene Gegenstände wurden gekonnt darum herum gereinigt und auch die Reinigung des Geschirrs scheint in der Hoheit der Gäste zu liegen. Die Räume sind bis auf das Bad sehr grosszügig. Das Zimmer zur Strasse hin war etwas laut, da die Strasse eine anständige Steigung hat, und sich ein Motorfahrrad oder ein kleines Auto französischer Bauart im ersten Gang wohl einfach spannender fährt (na ja, vielleicht liegt es auch am Kreisel, der zum Abbremsen zwingt). Auch quietschende Bremsen von Verkehrsteilnehmer in der Gegenrichtung können die Ruhe stören. Leider konnte ich kein Zimmer ergattern, das von der Strasse abgewendet ist.
Das Hotel bietet weiter einen kleinen Laden (in dem ich während der gesamten Woche sogar zwei Gäste gesehen habe), eine Bar (an der zwei Handwerker ein Getränk zu sich nahmen) und einen Pool (an dem ich niemanden gesehen habe). Weiter gibt es noch einen Aufenthaltsraum mit grossem Fernsehern, einigen Büchern und WiFi-Empfang. Die Geschwindigkeit des WiFi ist nicht besonders schnell, aber für Wettervorhersagen, Prüfen der E-Mails und solche Kleinigkeiten reicht es mit etwas Geduld aus.
Die Lage (abgesehen von Kreisel/Strasse mit erwähnter Steigung) war für meine Bedürfnisse (Stadt, Strand) nicht besonders gut. Die erwähnten fünf Minuten zur Stadt (gemäss Webseite) stimmen vielleicht sogar, allerdings nicht zu Fuss bis ins Zentrum. Ich würde eher von fünfzehn Minuten oder mehr ausgehen (und berücksichtigen, ob runter oder rauf).
Das Frühstücksbuffet habe ich nie ausprobiert (EUR 5), sondern bin entweder in ein kleines Lokal in der Gegend (es hat einige in fast allen Himmelsrichtungen) oder Richtung Zentrum spaziert und habe mir dort ein Brötchen und einen Curtado genehmigt.
Das Hotel hat die Erwartungen erfüllt. Ich hatte (glücklicherweise) keine mühsamen Erfahrungen, aber (leider) auch keine wirklich positiven Überraschungen.

Donnerstag, 10. Oktober 2013

olma

Zur Zeit geniesse ich die Vorfreude auf einen Ausflug in die Ostschweiz. Ja, an die olma natürlich. Noch hege ich die Hoffnung, dass sich der heute kurz erschienene Schnee, sich bis zu meinem Besuch komplett verflüchtigt (hinsichtlich der ostschweizereischenTemperaturen kenne ich jemanden, der mich immer damit aufzieht, dass es dort gefühlte 10 Grad kälter ist als sonstwo).
St. Gallen ist von Pfäffikon aus sehr bequem mit dem Voralpen-Express zu erreichen. Die SBB, die neben nervigen Apps immerhin andere Dinge gut macht, bietet sogar ein interessantes Kombiangebot für den olma-Eintritt und die Anreise. Na ja, eigentlich ist die Südostbahn der ausführende Transporteur.
Mögliche Highlights meines olma-Besuchs: Säuli-Rennen, Rotwein-Degustation, Schützgengarten-Bier, olma-Bratwurst, Schüblig, Jahrmarkt, gebrannte Mandeln, nette St. Galler. Ich lasse mich überraschen.

Freitag, 4. Oktober 2013

Meilenverlierer

Meine Nerven. Glücklicherweise sind die hier zusammengefassten Beschreibungen teilweise schon wieder mehrere Wochen alt. Ansonsten wäre die Zensur noch heute schockiert. Die letzten Optimisten finden sich bei Bewertungen aller möglicher Dinge. Beispielsweise auch bei der Bewertung von Apps, aber dazu später mehr. Der Grund für meine strapazierten Nerven (ja, ich kann mich über so eine App richtig nerven): Die Funktionalität der Apps war nach meinen ersten noch halbwegs enthusiastischen Gehversuchen (na ja, damals hat sich mich nur ein wenig aufgeregt) noch fehleranfälliger geworden. Folgende Fehler zehrten an meinem Gemüt.

a) Bahnhöfe nicht lokalisiert werden. Gefühlsmässig trat dies überdurchschnittlich häufig in Bern und Zürich auf. Somit konnten keine Meilen gesammelt werden, da ein Einchecken unmöglich war.
b) Die Verbindungsdetails konnten nicht geladen werden, d.h. das Ziel konnte nicht gewählt werden. Ja, keine Meilen.
c) Abstürze der App. Das habe ich bisher nur ganz selten auf meinem Ödfel (iPhone) erlebt, ich Glücklicher.

Und dann ein Hoffnungsschimmer. Es gab ein Update so um den 13. September 2013 herum. Doch leider kam's dann noch ganz dick. Eine der beiden grossen gratis Pendlerzeitungen machte auf die App aufmerksam. Es kam, was kommen musste.
d) Am nächsten Tag war der Service nicht zu gebrauchen. Vermutlich waren die Server mit dem unerwarteten Ansturm komplett überfordert.

Das mit dem Meilenverlieren stimmt bei mir zum Glück nicht. Nur leider sind die Gutscheine, die ich mit meinen Meilen hätte ergattern können, in der Zwischenzeit alle vergriffen.
Und was lernen wir daraus: vergesse nie, aber wirklich nie die Feedbacks zu Apps zu lesen. Die Bewertung erreicht gerade mal 1.5 von 5 möglichen Sternen. In den Kundenbewertungen finden sich die von mir erlebten Fehlermeldungen allesamt. Es gab noch einige mehr, die ich Glücklicher nicht erleben musste. Ach ja, vereinzelte Optimisten sind da auch zu finden. Ein Benutzer bewertete die App mit 4 Sternen und folgendem Kommentar (siehe Bild):

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